Alte Straßen in Pfronten

Die "Römerstraße"

Wissenschaftlich gesichert ist es nicht, dass durch Pfronten früher eine Römerstraße geführt hat. Aber es ist schon sehr wahrscheinlich, dass von der Via Claudia von Reutte nach Augsburg eine Verbindung über Vils und Oy auch nach Kempten bestand.

Die Römerstraße (Foto: Knussert, 1955
Straßendamm bei Kappel

Richard Knussert, der nach römischen Straßen im Füssener Land geforscht hat, nimmt folgenden Verlauf der Trasse durch das Gemeindegebiet von Pfronten an.[1]

 

Er glaubt, dass sie von Schönbichel kommend auf dem etwas höher gelegenen Gelände südlich der B 309 verlaufen sei. Mit Sicherheit zu erkennen sei sie aber erst westlich des Friedhofes in Berg. „Als breiter, schön angelegter Damm hebt sie sich mehr und mehr aus der Talsohle und überwindet die sehr steile Halde,... durch einen tiefen, zweifellos künstlich geschaffenen Einschnitt...“ Über die „Einfänge“ habe sie dann nach Kappel geführt. Vor diesem Ortsteil zeige sich an dem Höhenriegel südlich von Kappel „ein ausgeprägter Damm, der zu beiden Seiten von zahlreichen, hohlwegartigen Einschnitten und Gleisspuren begleitet ist.“



[1] Richard Knussert: Das Füssener Land in früherer Zeit, Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Kempten 1955

Bachbett mit Steinen (Foto: Rolf Müller, 1996)

Diese „Einschnitte“ sind – im südlichen Teil – in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil leider eingefüllt worden. Dort querte früher ein Bächlein die Trasse und an dieser Stelle konnte 1996 im weitgehend moorigen Bachbett eine Anhäufung von größeren Steinen beobachtet werden, die vielleicht den Unterbau der Straße gebildet haben. Im Ort selbst habe die Straße das Anwesen „beim Mauser“ [Hs.- Nr. 6] rechts liegen gelassen und sei unter der Scheune „beim Hafner“ [Hs.- Nr. 7] durchgelaufen. 200 m nördlich der Kirche habe sie die Bundesstraße gequert, um dann in Richtung Hertingen zu führen.

Für die Anwesenheit von einer romanisch sprechenden Bevölkerung in Pfronten spricht der Ortsname selbst, den man als „frontone“ [= an der Stirne (der Alpen)] deuten kann.[1] Am Kappeler Hohlweg sei auch eine römische Münze gefunden worden (Knussert), die leider nicht gesichert dokumentiert ist.



[1] Albrecht Greule in den Beiträgen zur Namenforschung Bd. 41, 2006, S. 477

Der Verlauf der Straße im Bereich Steinach - Ösch - Heitlern ist außerordentlich unsicher. Dafür spricht die für Römerstraßen typische schnurgerade Linienführung. Denkbar ist aber auch eine Linienführung vom Lechübergang der Via Claudia bei Füssen, an der Lände vorbei, entlang der Manze und durch Ried zum Einschnitt an der Gottesackerhalde.

Die Reichsstraße

Die fortschreitende Besiedlung des Tales erforderte eine neue Trasse. Sie wurde wohl lange vor 1300 als "Reichsstraße" angelegt und war Teil der Verbindung Bozen - Ulm.

Auch ihr alter Verlauf ist in großen Teilen nicht gesichert. Aus den Gemeinderechnungen ist bekannt, dass 1750 Verbesserungen an der Landstraße angeordnet worden waren:

Den 16 diß (marty) [1750] Ist H[err] ambtman= und gerichtsschreiber zue
Roßhaubten= und darauf Nacher Füssen gegangen, den großen schaden der güetter und heiser Underthenigst Vorgestellt: wann die Ehrweiterung der Landtstraßen miste Vorgenommen werden           

 

 Folgende Straßenführung ist diskutierbar:

Zur Geschichte der "Reichsstraße" s. auch:

Pfronten Mosaik Nr. 31, 2004

Altstraße Pfronten - Eisenberg

Das Ehepaar Schröppel überliefert (Quelle?), dass bei Bauarbeiten in der Nähe des ehemaligen Postamtes in Ried (Allgäuer Str. 35) ein Knüppeldamm zum Vorschein gekommen sei, der in Richtung Berger Moos verlaufen ist.

 

Das könnte ein Teil einer Altstraße gewesen sein, die sich nördlich des Schützenhauses in Meilingen deutlich den Hang hinaufzieht und dann die B 310 quert. Von hier aus verläuft ein langer Feldweg nach Osten bis zum Flurteil Bruggach. Dort findet sich im Wald ein deutlicher Graben, der zur Abzweigung der Zeller Straße hinabfällt. Von dort dürfte die Altstraße unter dem jetzt geteerten Weg durch die sogenannte "Aue" direkt nach Zell geführt haben.    

Wann diese - vermutete - "Straße" angelegt wurde, ist völlig unklar. Abgelöst wurde die Route nach Osten wohl durch die "Vizinalstraße" Pfronten - Zell, die heutige Kr OAL 2.

"Gassen" in Pfronten

Gasse nannte man in den Pfrontener Ortsteilen die Wege, auf denen das Vieh auf die Weide geführt wurde.

Eine typische Gasse (orange markiert) zeigt die Karte der Uraufnahme Pfrontens 1818 für den Ortsteil Kreuzegg. Sie verläuft beim Anstieg zum Kreuzeggle fast parallel zum heutigen Fußweg. Damit das Vieh nicht in die wertvollen Äcker ausbrechen konnte, war eine Gasse immer eingezäunt oder durch dichtes Buschwerk eingesäumt. Im Falle von Kreuzegg stehen an der ehemaligen Gasse noch heute teilweise hohe Sträucher und Bäume.

Reizvoll ist auch ein Spaziergang entlang der "Berggasse", die den Ortsteil Berg mit den Weidegründen am Edelsberg verbindet. Auch sie erkennt man an den langen Gebüschreihen.